Hinter den Kulissen

Vom Handwerk kann man sich zur Kunst erheben (Goethe)

 

S Biinibild vom Robi Pipoz

Robi, seit fast 40 Jahren bist du dem Theater mit Herz und Hand und Hammer, Nägel und Schrauben verbunden. Wie kam das?

Im Jahre 1980 sah ich eine Aufführung in der  BdB ( Der kaputtig Haafe ). Dass Laien etwas so tolles auf die Bühne stellen können, hat bei mir eine Initialzündung ausgelöst: Da möchte ich mitmachen, irgendwo im Hintergrund! Und so kam es, dass ich Andreas Tschui zur Hand gehen durfte. Er war ein Theatermensch durch und durch, er schuf in Basel 60 Bühnenbilder, war teilweise auch für die Kostüme zuständig und gründete eine Fachklasse für Bühnenbild an der Kunstschule des Künstlerhauses S11 in Solothurn, die er auch leitete.


Ein Glücksfall für dich! Einen besseren Einstieg hättest du dir nicht wünschen können.

Absolut

Welchen Beruf hattest du erlernt?  Andreas Tschui war Mechaniker und absolvierte dann ein Bühnenbildstudium.

Ich war Schreiner und ging nach der Lehre auf Wanderschaft.

Von Basel nach Olten,  Münsingen etc?

Haha, nein! Australien! Und auf dem Weg nach Australien reiste ich hin und zurück durch alle Länder, die auf dem Weg lagen. Mein Weg ging also fast um den Globus.

Wie entsteht denn die Idee zum Bühnenbild? Der Autor schreibt doch meist die Szene vor.

Ja! Es gibt da mehrere Wege. Theaterstücke spielen alle in der Vergangenheit und oft versucht dann die Regie, dem Publikum den Inhalt näher zu bringen. Die Gegenwart mit einzubeziehen, dem Zuschauer das Stück zu „vergegenwärtigen“.  Beispiel: Im letzten Stück bekam der Theaterdirektor den Namen Egon Karter und das Publikum konnte sich, da es zum grossen Teil Karter erlebt hatte, direkter in die Abläufe einleben.

Wie ist denn der klassische Ablauf?

Der Regisseur und der Dramaturg entwerfen ein Konzept. Das wird mit dem Bühnenbildner dann umgesetzt.

Der Bühnenbildner hat also ein Mitspracherecht?

Aber sicher! Der Bühnenbildner ist eine Autorität. Er weiss, wie die Ideen und welche Ideen der Regie umsetzbar sind, er kennt auch das Stück und seine Meinung ist daher wichtig. Der Bühnenbildner präsentiert dann sein Modell.

Und bei unterschiedlichen Auffassungen?

Nun, geht nicht, gibt’s nicht. Es ist – wie in der hohen Politik – Konsens  und Kompromiss sind angesagt. Die Grenzen werden ausgelotet.

Du warst als Bühnenbauer verantwortlich für die Umsetzung des Modells. Wie oft warst du schockiert, wenn dir das Modell präsentiert wurde?

Schon ein paarmal. In einem Stück wollte der Bühnenbilder eine Decke, aus der es dann im letzten Akt regnen musste, in einem anderen Stück wollte er, dass das Stück auf drei Ebenen spielte. Und alles musste auf der Bühne im Lohnhof  umgesetzt werden (Andreas Tschui hat sie mal ein „Nudelbrett“ genannt).

Und jetzt kannst du 40 Jahre Bühnenbau umsetzen und das Bühnenbild bauen. Wie lief das ab?

Der Bühnenbau geschieht in der Zeitspanne von Juli-November. Die bisherigen Bühnenbildner waren anderweitig engagiert. An einer Sitzung der Produktions-Leitung habe ich mich gemeldet, ich hatte das Stück gelesen, kam mit den Vorgaben und Ideen des Regisseurs klar, ging in die Werkstatt, baute ein Modell, zeigte das Modell, es wurde mit Applaus verdankt und ich konnte loslegen.

Du musstest doch einen Bezug zum Bühnenbild erarbeiten. Die Vorgabe war doch ein Bauernhaus im Neuenburger Jura, das als Ferienhaus vermietet wurde.

Das war leicht für mich. Ich habe im Neuenburger Jura die Schulferien jeweils auf einem Bauernhof verbracht.

Manchmal hat mal Glück im Leben. Nun zum Bühnenbild. Wann war der erste Hammerschlag? Und wann wird der letzte sein?

Der erste war am 1. Juli und der letzte wird an der Generalprobe sein.

Ist etwas Besonderes am jetzigen Bühnenbild?

Ja! Die Bühnenbilder der letzten Aufführungen hatten stets viele Türen, die je nach Schauspieler, Temperament oder Regieanweisung zugeknallt wurden. Diesmal herrscht diesbezüglich Ruhe.

Wie das?

Eine Schiebetüre kann man NICHT zuschlagen!

Wo bist du am liebsten: Baumarkt, Brockenhaus oder Bühne?

Brockenhaus! Das ist die Welt, die vor uns war und wenn wir Theater spielen, ist das auch eine Welt, die nicht Gegenwart ist. Ich stöbere gerne in den „alten Sachen“.

Welche Brockenstube in der Region kennst du nicht?

Oh, die Antwort dürfte schwierig sein.

Bauernhaus  Neuenburger Jura, da denke ich an die Fee verte. Gibt es die?

Da! Auf dem Regal über der Bar! Aus Le Bémont!

Letzte Frage: Was geschieht mit dem Bühnenbild nach der letzten Vorstellung?

Es bleibt stehen!

Bis zum ersten August? Das meiste ist ja brennbar.

Schön wär’s.  Zuerst wird gewartet, bis das neue Stück bekannt ist, vielleicht kann etwas dafür verwendet werden. Was wir nicht mehr brauchen, bieten wir anderen Theatervereinen an, der Rest kommt ins Lager.

Wie schaut’s aus mit einer Assistenz? Was wünschst du dir?

Einen pensionierten Handwerker (Schreiner, Elektriker, Gärtner etc.), Jemanden, der Zeit und Lust hat, von Juli bis November beim Bühnenbildbauen Bauen zu assistieren.

Robi, wir drücken die Daumen und: toi toi toi!

Hans Stelzer