Gastspiele 2018 Rückblick

Gastspiel vom12.bis20.  Januar 2018

Teatro Mobile

„Einsteins Verrat“

Bereits zum zweiten Mal gastiert das „teatro mobile“, die Kleinformation der Theatermühle Arisdorf auf der „Baseldytsche Bihni“. Und auch beim zweiten Mal bringen Claudio und Marcel Gloor – heuer durch Michael Laubscher verstärkt – mit „Einsteins Verrat“ ein Stück von Eric-Emmanuel Schmitt auf „unsere“ Bretter. Schmitt ist spätestens seit „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“ oder „Oskar und die Dame in Rosa“ einem breiteren Publikum bekannt. Der mehrfach preisgekrönte Theater- und Romanautor zeichnet sich als Meister der psychologischen Zerpflückung seiner Protagonisten aus. So sieht sich sich nun Albert Einstein schonungslos mit seinem inneren Konflikt konfrontiert, einerseits überzeugter Pazifist zu sein und andererseits Präsident Roosevelt während des zweiten Weltkrieges dazu zu raten die Atombombe gegen Nazi-Deutschland zu bauen. Ausgelöst wird Einsteins innerer Konflikt durch Gespräche mit einem Vagabunden, der seinen Sohn im ersten Weltkrieg verloren hat und sich deshalb von Einsteins pazifistischer Haltung persönlich beleidigt fühlt. Aufgestachelt wird der Vagabund durch FBI-Agent O’ Neill, der gerne staatsfeindliche Äusserungen von Einstein gehört hätte um damit die amerikanische Staatsbürgerschaft des Genies aus Deutschland verhindern zu können. Und auf einmal erscheint für die Protagonisten die ganze Weltgeschichte in einem anderen Licht …

Zugegeben, keine leichte Kost, welche uns die drei Schauspieler des „teatro mobile“ in der Regie von Jürg Matt da servieren. Schmitts Stück fesselt aber durch  Vielschichtigkeit sowie – wie schon bei „Enigma“ – überraschende Wendungen und entwickelt eine Sogwirkung, der man sich als Zuschauer unmöglich entziehen kann.

Marcel Gloor, dem Albert Einstein schon rein äusserlich auf den Leib geschrieben zu sein scheint, begeistert als Titelheld und meistert den äusserst umfangreichen – und mörderisch schweren! – Text souverän. Er versinkt wahrhaftig in seiner Rolle und verleiht dem genialen Wissenschaftler echteste Authentizität und absolute Glaubwürdigkeit.

Claudio Gloor, der als Vagabund nicht weniger anspruchsvolle Textmengen zu stemmen hat, vermittelt den zuerst vom Krieg begeisterten und durch den „Heldentod“ seines Sohnes verblendeten, danach jedoch (ver)zweifelnden Vagabunden absolut glaubwürdig und berührend.

Jungdarsteller Michael Laubscher begeistert als zackig-pflichtbewusster FBI-Agent, der nur seine Mission sieht und alles andere, was da nicht dazu passen will, von sich weist.

„Einsteins Verrat“ – ein intensiver Abend, der nachwirkt. Eric-Emmanuel Schmitt – und Albert Einstein hätten ihre helle Freude daran!

Foto und Text:   Michael Hug

Gastspiel vom 1. bis 10. Februar 2018

Cercle Téâtral Alsacien Mulhouse

„Sympàtischer Wàhnsenn“

Alle Jahre wieder gibt der Cercle Théâtral Alsacien Mulhouse im Rahmen eines Gastspiels mit ihren turbulenten Komödien und herrlichstem Elsässer Dialekt an der „Baseldytsche Bihni“ sein Stelldichein und sorgt für Muskelkater bei den Lachmuskeln der ZuschauerInnen. Diese Spielzeit steht das im allerbesten Sinne durchgeknallte Lustspiel „Sympàtischer Wàhnsenn“ von Claude Dreyer auf dem Spielplan.

Eigentlich sollte es ein gemütliches Abendessen unter Freunden werden, zu dem der berühmte Psychiater Pierre Muckensturm ohne Wissen seiner Frau, welche reichlich verspätet aus Baden-Baden zurückkommt, spontan geladen hat. Selbstredend ist das Speiseregister an diesem Abend eher mager, und Madame sieht sich ausser Stande, die Rolle der Gastgeberin und Köchin zu übernehmen. So sieht sich der Hausherr vor die vollendete Tatsache gestellt, selber als Koch zu wirken. Während sich der Doktor um das Essen bemüht – selbstverständlich ist er der hohen Kochkunst nicht mächtig, und ein Topf heisses Spaghettiwasser wird für ihn zur schier unlösbaren Herkulesaufgabe  – trudeln Patienten ein, welche unbedingt vom weltberühmten Seelenheiler therapiert werden wollen. Und das führt folglich zu jeder Menge Irrungen, Wirrungen und Verwicklungen, in welchen man als Zuschauer droht, den Überblick – wenn nicht gar den Verstand –  zu verlieren – und beinahe der Versuchung erliegt, sich ebenfalls von Dr. Muckensturm therapieren zu lassen …

Patrick Ziegler hat das Lustspiel schwungvoll inszeniert und die Rollen mit seinen Darstellerinnen und Darstellern passend besetzt. Herrlich werden die zuweilen recht bissigen Pointen in wunderbarem Elsässer Dialekt in den Zuschauerraum gepfeffert. Sämtliche DarstellerInnen agieren mit grosser Spielfreude. Alle Patientinnen und Patienten haben ja ihre Last, welche sie ja bei Psychiater Muckensturm loswerden wollen, zu tragen: Tourette-Syndrom, Putzfimmel oder Homosexualität, um nur einige zu nennen. Die grosse Kunst in diesem Stück ist es, diese „Macken“ (?) so darzustellen, dass es zwar lustig, aber niemals peinlich oder diskriminierend wirkt. Und das gelingt dem charmanten Ensemble hervorragend. Alle DarstellerInnen verkörpern ihre Rolle mit viel Fingerspitzengefühl und verleihen ihr – trotz aller Komik – Glaubwürdigkeit. – Ein höchst vergnüglicher Abend!

Fotos/Text:     Michael Hug